Die Borgeler werden rebellisch

Das Reformationsjahr 2017 ist auch in Borgeln Anlass, an jene Ereignisse zu Beginn des 16. Jahrhunderts zu erinnern, die Europa für die darauffolgenden Jahrhunderte auf so vielfältige Weise prägen sollten. In Borgeln wie in Soest und der Börde allerdings wirkt Luther nur mittelbar. Hier steht der Dominikaner Thomas Borchwede im Mittelpunkt des Geschehens – und vor allem Soester Bürger, die ihre Reformation durchsetzen. Ein typisches Beispiel für stadtbürgerliche Reformation, die der Dynamik, dem Konfliktpotential der komplexen spätmittelalterlichen Städte entspringt. – Und dann springt der Funke auf das Umland über. 1531 „geht es in Soest los“ und nur wenige Zeit später werden die Borgeler „rebellisch“. Das Reformationsgeschehen in Borgeln, im unmittelbaren Herrschaftsgebiet des Soester Rates, ist nur zu verstehen im Wechselspiel mit dem, was in Soest geschah. Aber was hier passierte, war nicht nur Soester Reformation vor anderen Kulissen: Die Borgeler machten auch „ihr eigenes Ding“, wie man heute sagen würde.

Davon erzählt der Vortrag, den Dr. Roland Götz am vorigen Sonntag anlässlich des Stiftungsfestes der Gemeinde in der Dorfkirche zu Borgeln gehalten hat. Hier geht es handfest zur Sache. Mehr Sozialgeschichte als hohe Theologie. Hier, im „fernen Spiegel“ Borgelns vor fast! fünfhundert Jahren, führt uns Götz in seinem Vortrag lebendig vor Augen, wie sich Menschen mit ihren eigenen Nöten und Befindlichkeiten Ideen aneigneten und auf ihre Weise handfest umsetzten, die viele Jahre zuvor im fernen Wittenberg in die Welt gesetzt worden waren.

Reformation ist nicht das einzelne Ereignis, ist nicht nur „1517“, sondern das was wir heute als „Reformation“ bezeichnen, ist ein buntes Spektrum an Ereignissen, Personen und Gedanken. Je näher wir hinsehen, umso anschaulicher wird die umstürzende Kraft von Ideen, die, an den fernen Universitäten des Reiches erdacht, vermittelt durch mündliches Weitersagen und moderne Medien – den Buchdruck – schließlich auch in Borgeln ankommen.

Dr. Roland Götz hat es dem „Arbeitskreis Borgeln“ großzügig gestattet, seinen Vortrag hier zu publizieren. Dafür möchte ich ihm an dieser Stelle im Namen des „Arbeitskreises“ herzlich danken. Der folgende Text gibt das Vortragstyposkript wieder, das unverändert beibehalten worden ist. Lediglich auf die plattdeutschen bzw. mittelniederdeutschen Zitate der damaligen Soester und Borgeler Akteure haben wir für diese Publikation verzichtet.

Ich habe am letzten Sonntag gespannt dem Vortrag von Dr. Götz zugehört und ich hatte viel Spaß beim Lesen des Textes, der mich gestern Abend per E-Mail von Dr. Götz erreichte. Ich hoffe, ihr habt ebenso viel Freude daran. – Den Text habe ich in mehrere Kapitel unterteilt, die ich in den nächsten Tagen „in Fortsetzung“ online stellen werde. (Die Kapitelüberschriften stammen von mir.)

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