Reformation in Borgeln, Kap. 2

Dr. Roland Götz: „Borgeln erstreitet die Reformation“,

Ein Vortrag zum Stiftungsfest 2017 in Borgeln, gehalten am 5. März 2017 in der Dorfkirche zu Borgeln

Soest: Sturmglocken läuten

Erst jetzt wurde auch die Stadt Soest von der Reformation erfasst, und weil die Börde zu ihrem Herrschaftsgebiet gehörte, wurde die Soester Stadtreformation auch für die Börde wichtig. Am 20. November 1531 schlug der Dominikanermönch Thomas Borchwede ein Blatt mit 22 Thesen an die Türen des Patroklimünsters und der Paulikirche, das von zwei Mitbrüdern mit unterzeichnet war. Diese handschriftlichen Thesen waren in der Volkssprache verfasst und eindeutig an dem Augsburger Bekenntnis orientiert: z. B. „der Glaube ohne Zutat der Werke macht gerecht“, „das Fegefeuer ist eine Erfindung der Menschen.“ Die Thesen leiteten den Durchbruch der Reformation in Soest ein.

Am Donnerstag, den 21. Dezember 1531, dem Thomastag, kam es zum Aufstand in der Stadt. Ein evangelisch eingestellter Prediger (Wulf von Kampen) hatte morgens in St. Pauli gepredigt, und als er nachmittags in der Petrikirche predigen wollte, ließ ihn der Rat verhaften, weil er von auswärts gekommen war und das vom Rat erlassene Predigtverbot für Auswärtige missachtet hatte. Trommeln wurden geschlagen und die Sturmglocken geläutet. Drei bis viertausend („gemeyne“) Bürger versammelten sich auf dem Petrikirchhof und einige Schützenbruderschaften mit ihren Fahnen kamen dazu. Der evangelische Prediger wurde befreit, die Aufständischen nahmen die Stadtschlüssel an sich und die beiden Bürgermeister gefangen. Häuser von Geistlichen wurden geplündert. Das berichtet das Ratsprotokollbuch.

Am nächsten Tag versammelte sich die Bürgerschaft auf dem Petrikirchhof nach den Hofen, den sechs Stadtbezirken, geordnet. Ein Ausschuss von 24 Männern, nämlich sechs pro Stadtbezirk, wurde gebildet. Diese Vertretung der gesamten Bürgerschaft verhandelte nun mit dem Rat, mit dem Ziel, die Reformation einzuführen. Am Samstag (23. 12) zogen die Bürger vom Petrikirchhof in das Patroklimünster. Dort einigte man sich: Die Bürgermeister schworen, die Aufrührer nicht zu verfolgen und „by dem wort gotz to blyven levendig und doit.“ Die Stadtschlüssel erhielten sie nun zurück. Die Bürger schworen ihrerseits, den Rat anzuerkennen. In dem wohl von Borchwede verfassten sogenannten Bundbrief wurden die Verhandlungsergebnisse im Namen der Zünfte der Handwerker und der kleineren Kaufleute festgehalten. Danach musste in allen Soester Kirchen so gepredigt werden wie in Wittenberg, Nürnberg und einer Reihe anderer Städt. Da aber in den Soester Kirchen „unerfahrene Prediger, Mönche und Pfaffen“ dazu nicht fähig seien, habe der Rat diese ab- und evangelische Prediger, sogenannte Prädikanten, einzusetzen, die Gottes Wort „klar und ohne alle menschlichen Sätze“ predigen mussten. Also in der Alltagssprache und nicht mehr in Latein. Dieses Dokument wurde von den Mitgliedern des Rates, dem die Oberschicht angehörte, unterschrieben.

Damit war der städtische Frieden wiederhergestellt und die Reformation eingeführt. Dies war gelungen, weil die Mehrzahl der Bürger dafür gekämpft hatte und dem Rat nichts anderes übrigblieb, als zuzustimmen. Der Rat ging aus den Auseinandersetzungen gestärkt hervor, er war nun nicht nur für Politik zuständig, sondern auch für Kirchensachen. Umgehend ließ er eine Kirchenordnung erstellen, die im Frühjahr 1532 an vier Tagen der Bürgerschaft vorgelesen wurde. Ein Superintendent wurde eingesetzt.

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