Reformation in Borgeln, Kap. 3

Dr. Roland Götz: „Borgeln erstreitet die Reformation“,

Ein Vortrag zum Stiftungsfest 2017 in Borgeln, gehalten am 5. März 2017 in der Dorfkirche zu Borgeln

Der Funke springt über: Borgeln

Der Funken der Soester Reformation sprang früher als in anderen Börde-Gemeinden auf Borgeln über. Nur drei Tage nach dem Thomasaufstand brachen „etliche“ Gemeindeglieder in der Nacht vom 26. auf den 27. Dezember 1531 in das Pfarrhaus ein und zapften Bier. Einer der beiden Anführer war der Sohn des Schreibers aus dem zum Kirchspiel gehörenden Hattropholsen. Sicher hat dieser Schreiber im Soester Rathaus gearbeitet und war dort mitten im Geschehen des Thomasauflaufs.

Gerichtet war diese Aktion gegen den altgläubigen Pfarrer Henrick Groithmann. Er hatte seine Pfründe, nämlich Amt und Pfarrhaus samt den zu seiner Versorgung dienenden Wiesen und Weiden, vom Patroklistift erhalten. Groithmann war unter den Pastoren der Börde eher eine Ausnahme, weil er sein Amt selbst vor Ort ausübte und sich nicht durch einen Vizekuraten, einen Kaplan, vertreten ließ. Zudem ist nicht bekannt, dass er wie manche seiner Kollegen trotz Zölibat Kinder gezeugt hätte. Gleichwohl wurde er in Zukunft die Zielscheibe von Angriffen.

Der nächste Überfall erfolgte nur zwei Tage nach dem ersten. Mit ihrer Fahne kamen Antoniusschützen, gestandene Bürger und Jugendliche aus Soest, zum Pfarrhaus in Borgeln, nahmen der Magd des Pfarrers den Schlüssel ab und bemerkten, sie hätte lange genug Vorräte gesammelt, nun wollten sie auch tätig werden. Dabei aßen sie seine Vorräte auf und tranken sein selbst gebrautes Bier. Offensichtlich hatte sich Groithmann wie beim ersten Überfall auch bei diesem versteckt. Am nächsten Tag beschwerte er sich in Soest bei den Handwerkerzünften. Das Ratsprotokollbuch vermerkte zwar, dass die Antoniusschützen für ihre Aktion in Borgeln bestraft werden sollten. Das geschah nicht, denn Schützengesellschaften erhielten bei der Durchsetzung der Reformation eine wichtige Rolle. Der Rat sah in der Plünderung Groithmanns lediglich Streitigkeiten mit Bauern und ließ diese zurechtweisen.

Anfang des Jahres 1532 verlagerte sich der Streit in die Kirche von Borgeln und auf den Friedhof. Dabei setzte die Gemeinde den von ihr gewollten Prädikanten Stephan Hüttinghaus durch, einen langjährigen Franziskaner und Priester. Wurde etwa in Weslarn und Schwefe vom Soester Rat ein evangelischer Prediger von oben eingesetzt, so verlief in Borgeln die Reformation anders. Die Gemeinde erkämpfte sich ihren evangelischen Prediger.

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