Reformation in Borgeln, Kap. 4

Dr. Roland Götz: „Borgeln erstreitet die Reformation“,

Ein Vortrag zum Stiftungsfest 2017 in Borgeln, gehalten am 5. März 2017 in der Dorfkirche zu Borgeln

Die Borgeler drohen, ihren Priester totzuschlagen

Am Sonntag, den 11. Februar, wurde Groithmann am Taufstein mit dem Tode gedroht und zu ihm gesagt, er sei nicht der erste, der in der Kirche tot geschlagen werde, ohne dass es gerächt werde, das stehe ihm auch bevor.

Es blieb bei der Drohung. Am nächsten Sonntag, das war der 18. Februar, der erste Fastensonntag, traf Groithmann, der in seiner Kirche den Gottesdienst halten wollte, auf seinen Gegner Hüttinghaus. Dieser stand auf der Kanzel, um die sich seine Anhänger gestellt hatten. Als Groithmann ihn fragte, wer ihn gesandt hatte, antwortete er die Soester Zünfte (Gemeinheit). Daraufhin belehrte Groithmann seine Gemeinde, dass er der rechtmäßige Pastor sei und vom Rat anerkannt werde.

Am nächsten Samstag (24. Februar) gelang es Groithmann zwar auf die Kanzel zu kommen, aber er kam nicht zu Wort, weil die Gemeinde deutsche Kirchenlieder sang. Das war ein Merkmal evangelischer Überzeugung und zugleich Protest gegen die lateinische Messe.

Am Sonntag darauf eskalierte die Situation weiter. Es zeigte sich, dass in der Gemeinde Gruppen existierten. Die Anhänger des neuen Predigers umstellten wieder schützend die Kanzel, eine Gruppe wollte Groithmann vor die Kirche setzen, eine Gruppe hieß ihn willkommen. Er durfte schließlich die Predigt anhören und bat die Gemeinde danach vor die Kirche auf den Friedhof, dort sagte er: „Liebe Kirchspielsleute, ich möchte gerne wissen, wie dieser Mönch dazu kommt, hier zu predigen.“ Hüttinghaus erwiderte, die Soester Bürgermeister hätten ihn beauftragt. Darauf beschimpften die Versammelten Groithmann: „Tausend Teufel sollen Dir in den Leib fahren. Verschwinde nach Hessen, wo du herkommst, du Landstreicher.“ Einige forderten Groithmann auf zur Gerichtslinde zu kommen, was eine Drohung war.

Groithmann ließ sich nicht einschüchtern und blieb vor Ort. Nachdem er erfahren hatte, dass Hüttinghaus gelogen hatte, denn weder die beiden Soester Bürgermeister noch der die Soester Zünfte hatten ihn beauftragt, rief er am folgenden Sonntag (3. März) die Gemeinde wieder auf dem Friedhof zusammen und hakte nach. Da bekannte Huttinckhus, das Kirchspiel habe ihn gewollt und ihn gebeten. Er musste einräumen, dass es nicht die ganze Gemeinde war, sondern nur 20 bis 30 Gemeindeglieder. Auch diese zweite Versammlung auf dem Friedhof endete mit der Beschimpfung Groithmanns. Der notierte resigniert, er sei gezwungen worden, in seiner Kirche die Messe und die Predigt seinem Gegner zu überlassen.

Als Groithmann am Karfreitag (29. März) den Gottesdienst besuchte, wurde er heftig angerempelt und herumgestoßen, einer seiner Anhänger wurde sogar verletzt. In der Woche nach Ostern 1532 sicherten die Anhänger des Prädikanten Hüttinhaus mit Gewalt dessen materielle Existenz: Sie kündigten Groithmanns Magd, entzogen ihm die Pacht und ließen Hüttinghaus die mit der Pfarrei verbundenen Einkünfte nutzen. Damit bereiteten sie den Einzug von Hüttinghaus in den Pfarrhof vor.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.