Reformation in Borgeln, Kap. 5

Dr. Roland Götz: „Borgeln erstreitet die Reformation“,

Ein Vortrag zum Stiftungsfest 2017 in Borgeln, gehalten am 5. März 2017 in der Dorfkirche zu Borgeln

Die Borgeler plündern den Pfarrhof

Im Jahr 1532 folgten keine weiteren Übergriffe der Anhänger des evangelischen Prädikanten Hüttinghaus. Diesen nahm der Soester Rat nicht zur Kenntnis, obwohl er doch über Vorgänge in Borgeln informiert war. Für ihn war Pastor Groithmann nach wie vor der rechtmäßige Inhaber der Pfarrei in Borgeln.

So richtete er im Oktober 1532 ein Schreiben an Groithmann wie an andere katholisch verbliebene Geistliche in Soest und der Niederbörde. Darin ordnete er unter Berufung auf die neue Kirchenordnung an, dass die Pfarrer persönlich in ihren Gemeinden „dat enveldige, gemeyne, simpell volck […] in dem wort gotz“ zu unterweisen hätten. Falls sie dazu nicht bereit seien, hätten sie die Möglichkeit, „eynen andern geschicketen , gelerten, fromen man“ in Übereinstimmung mit dem Superintendenten und dem Kirchspiel einzusetzen und angemessen zu besolden. Falls sie beide Möglichkeiten verweigerten, würde ein geeigneter Prediger vom Rat zugewiesen und die jeweilige Kirche zum Unterhalt verpflichtet.

Darauf antwortete Groithmann am 19. November, er könne sein Amt nur wie bisher gehorsam gegen seine geistlichen Vorgesetzten im Patroklistift und gemäß der Tradition ausüben, wie „ich das auch viele Jahre hindurch nach meinem Vermögen getan und in Besitz gehabt habe“. Da er jetzt bedroht werde, solle ein anderer in Borgeln eingesetzt, aber nicht aus seinen Einkünften entlohnt werden. Groithmann wohnte weiter im Pfarrhaus. Er war nicht bereit, den Prädikanten Hüttinghaus als seinen evangelischen Vizekuraten einzustellen.

In der Karwoche (6.-13. April) des nächsten Jahres (1533) wurde der Besitz von Groithmann geplündert. Seine Habe wurde aus dem Pfarrhaus geworfen. Überdies hatten die Leute des Kirchspiels seine Wiesen gemäht, seinen Hopfen abgeschnitten, seine Fischteiche abgefischt, Wagen voll mit Obst aus dem Pfarrhof geholt, eine Kuh aus seinem Stall entwendet, seine Hopfenstangen und die Zäune seiner Weiden zerstört und verbrannt. Groithmann bemerkte, dass auch Soester Bürger an diesen Aktionen beteiligt gewesen seien. Und er hob hervor, dass diese Aktion der autorisierte Diener der Stadt Soest angestiftet habe.

Das aggressive Vorgehen gegen Groithmann hängt mit dem Lätareaufruhr in Soest im Frühjahr 1533 (März) zusammen. Als der Superintendent im Patroklimünster predigen wollte, war an die Kanzel ein Rad und ein Galgen gemalt und auf der Kanzel befanden sich in einem Beutel ein faules Ei, ein angekohltes Holzstück und zwei Steine. Das alles zeigte an, dass der Superintendent als Ketzer die Todesstrafe verdiente. Das verursachte einen Aufstand mit einem ähnlichen Verlauf wie der Thomasaufstand zwei Jahre zuvor. Er richtete sich vor allem gegen die katholischen Geistlichen des Patroklistiftes. Diese, sowie altgläubige Ratsherrn und weitere Katholiken verließen die Stadt. Die Position der Evangelischen war gefestigt.

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