Wertmarken Borgeler Linde

Ein Zufallsfund als Spur in die Vergangenheit?

Konnten die Borgeler an einem heißen Sommertag mit diesen Marken in Steinhoff’s Gastwirtschaft „Zur Borgeler Linde“ ein kühles Bier kaufen? Auch viele Ausflügler aus dem nahen Soest kamen in der Zeit um 1900 gerne zu „Fritz Steinhoff“, um in der Gartenwirtschaft im Schatten der Linden Kaffe und Kuchen zu genießen. Hier gab es einen großen Saal, der noch lange für Tanzveranstaltungen und Schützenfeste genutzt wurde. Viele werden sich noch lebhaft erinnern.

Diese Wertmarken haben wir vor Kurzem zufällig im Handel gefunden und für unsere geschichts- und heimatkundliche Sammlung erworben. Für die quellenkritische, d.h. numismatische, Bewertung sowie die wirtschafts- und sozialgeschichtliche Einordnung brauchen wir eure Hilfe.

Noch ein Rätsel

Vielleicht wurden die abgebildeten Wertmarken von der Steinhoffschen Gastwirtschaft ausgegeben. Oder ist der Ausgabeort ein anderer? Wie sind sie zu datieren, in die 1920er Jahre vielleicht? Wo sind sie hergestellt oder geprägt worden? – Gehören sie überhaupt nach Borgeln?

Erste Beschreibung

Ich versuche mich an einer laienhaften Beschreibung. Über Verbesserungen und Hinweise freue ich mich:

Alle drei Marken sind recht klein und sehr leicht. Das Material der gelblich schimmernden Marke zu (wohl) 10 Pfennig links ist mutmaßlich eine Messinglegierung. Diese mit „F S “ bezeichnete Marke gehört vielleicht auch nach Borgeln. Möglicherweise steht „F S “ für „Fritz Steinhoff“? Die Schreibung „Werth-Marke“ mit „th“ deutet eventuell darauf hin, dass es sich um einen älteren Vorgänger der beiden anderen, silbrig glänzenden Marken handeln könnte.

Av.: WERTH-MARKE || 10 | F S | . . . . . . . (im Perlkreis); Rv.: 10 (im Perlkreis); rund/ Messing(?) / ø ca. 18,5 mm / Stärke ca. 0,75 mm

Die beiden anderen, ungefähr gleich großen Marken zu je 5 und 10 sind ungefähr genauso groß und leicht. Ihr Material ist vielleicht vernickeltes Zink?

Av.: WERT-MARKE || 5 | BORGELERLINDE (im Perlkreis); Rv.: 5 (im Perlkreis); rund/ Zink/Nickel(?) / ø ca. 18,0 mm / Stärke ca. 1,0 mm

Av.: WERT-MARKE || 10 | BORGELERLINDE (im Perlkreis); Rv.: 5 (im Perlkreis); rund/ Zink/Nickel(?) / ø ca. 18,0 mm / Stärke ca. 1,0 mm

Wer kann helfen?

Vielleicht kann uns ein Numismatiker oder Sammler helfen. Fachliteratur und die entsprechenden Wertmarken-Kataloge stehen mir leider nicht zur Verfügung. Dieser Post soll auch ein Experiment für unser Blog sein, offene, unfertige Texte zu veröffentlichen:

Hier sollen nicht vor allem abgeschlossene Geschichten und Forschungsergebnisse, also gewissermaßen „sicheres Wissen“, präsentiert werden. Wir möchten vor allem Fragen aufwerfen, auf Geschichten hinweisen, die es noch zu erzählen gibt. Kurz: Neugierig sollen die Beiträge dieses Blogs machen. Lust auf Entdeckungsreisen in die Vergangenheit möchten wir wecken. Also: MITMACHEN!

Alle interessierten Borgeler und vor allem auch Leserinnen, die „nicht von hier sind“ sind zum Mitraten aufgerufen. Wieviel gibt ein dingliches Relikt, ein kleines, recht unscheinbares Objekt, über unsere Vergangenheit preis?

Gibt es jemanden, der ähnliche Marken besitzt oder uns einen Hinweis geben kann, der vielleicht in eine ganz andere Richtung weist?

Bereits jetzt bin ich gespannt darauf, wie sich diese Geschichte über die drei Marken von der Borgeler Linde entwickeln wird. – Nicht zuletzt möchte ich sensibel machen für die Wichtigkeit auch vermeintlich unscheinbarer, kleiner historischer Zeugnisse. Der „Arbeitskreis Geschichte Borgeln“ freut sich über jeden Zuwachs, den seine geschichts- und heimatkundliche Sammlung erfährt. Jede Postkarte, jedes Foto kann eine unschätzbare Quelle sein – für eine Geschichte, die vielleicht irgendwann einmal jemand entdeckt und zu erzählen beginnt …

 

 

 

 

3 Gedanken zu „Wertmarken Borgeler Linde“

  1. Die ersten Hinweise, die ich bisher erhalten habe, deuten darauf hin, dass es sich hier um „Notgeld“ aus der Zeit der „Weimarer Republik“ handeln könnte. Ich halte euch auf dem Laufenden!

    1. Vielen herzlichen Dank für den Artikel, der die Marken präzise einordnet und eingehend analysiert. Das wäre uns ohne Ihr Fachwissen nie möglich gewesen. Dass es so viele Vergleichsstücke gibt, hätte ich nicht gedacht! Ich finde es spannend, wie dingliche Quellen zum Reden gebracht werden können und zu Zeug(niss)en der Alltagsgeschichte werden. – Vielen Dank aus Borgeln!
      Beste Grüße,
      Björn Christlieb

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